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Die Kirche St. Anna



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Wenn man über das Schloß, deren Besitzer und den Park berichtet, darf natürlich die Kirche nicht fehlen. Sie steht nördlich gegenüber dem Schloß und rundet das Ensemble ab. Die Kirche schließt das Quadrat des vierflügligen Schloßes.

Die Herren von Dieskau sind aller Wahrscheinlichkeit nach die Erbauer der Kirche St. Anna zu Dieskau, zu der wohl Anfang des 13. Jahrhunderts von Otto de Disgave miles der Grundstein gelegt wurde. Sie war der heiligen Anna gewidmet. Sie wurde als katholische Kirche im romanischen Stil erbaut und im Zuge der Reformation um 1550 unter Hans von Dieskau "Lutherisch". Die Umgestaltung vom Katholischen zum Evangelischen dauerte allerdings noch lange Zeit, da die Dieskaus an ihrem alten Glauben festhielten. Während ihres Bestehens wurde die Kirche mehrmals zerstört. 1632, in der Lützner Schlacht, wurden Leuchten, Kelche und Meßgewänder geraubt und 1634 brannte der Kirchturm. Die schlimmste Zerstörung fand 1636 unter dem Kroaten Don Balthasar während des 30jährigen Krieges statt. Die Kroaten verwüsteten das Innere der Kirche, zerstörten das Dach und vernichteten sämtliche Kirchenbücher. Der 30jährige Krieg hinterliess in jeder Beziehung seine Spuren, denn 1651 fanden hier nur 9 Taufen statt. Unter anderem wurde in diesem Jahr auch die Mutter von Georg Friedrich Händel, Dorothea Taust, als Pfarrerstochter hier in Dieskau geboren und getauft.

Die Dieskauer Kirche verfügte über 3 Glocken, von denen die kleine Glocke aus der Zeit der Reformation stammt, 1473 wurde die mittlere und 1649 die grosse Glocke gegossen. Von einem weiteren Turmbrand wird 1706 berichtet und 1725 wurde die Kirche im Barockstil erneuert, der Turm hat noch sein altes unteres viereckiges Teil, im oberen Teil ist er abgekantet und modern. Pfarrer Hübner liess 1728 die Kirche renovieren und in ihrer inneren Einrichtung ausgestalten. Dazu schenkte der Landrat Carl von Dieskau der Kirche einen neuen Altar, eine neue Kanzel nebst einem Gestell für ein Taufbecken, alles von feinster Bildschnitzerarbeit. Die Gruft wurde ausgebaut. An der Nordwand am Altar ist ein etwa 5 Meter hohes Epitaph zu Ehren des Landrates Carl von Dieskau und seiner Frau Johanna eingelassen. Rechts vom Altar findet man einen kleinen Tempel, das eine Mutter mit zwei weinenden Knaben zeigt, welchen Carl Christoph Hoffmann zum Tode seiner Frau Therese Auguste errichten ließ.

1750 wurde in der Kirche die erste Orgel, eine Contius-Orgel, eingeweiht. In der Grabkapelle, die Hoffmann 1770 erbauen ließ, fanden der letzte von Dieskau bis zu den Bülows ihre letzte Ruhestätte. Nachdem 1866 die Kirche restauriert wurde, ließ Otto von Bülow nachträglich Altar und Kanzel vergolden. Mitte der 70iger Jahre des 19. Jahrhunderts wurden noch die Orgel abgetragen und erneuert, die große Glocke repariert und ein Brunnen angelegt. Clara von Bülow machte der Kirche wertvolle Geschenke, u.a. ein Wandbild (Maria mit dem Jesusknaben) und eine Weinkanne. 1906 stiftete sie der Kirche eine neue Glocke, da die alte zersprungen war. Während des 1. Weltkrieges wurde die mittlere Glocke geopfert und eingeschmolzen, Silvester 1921/22 sprang die grosse Glocke. Im Herbst 1922 bekommt die Kirche 2 neue Glocken, eine dritte soll gegossen und 1923 aufgehängt werden. 1931 kam es zu einem Schornsteinbrand, der den Kirchturm und grosse Teile der Orgel vernichtete. Bis zur Beseitigung der Brandschäden stellte Familie von Bülow den großen Gartensaal für Gottesdienste zur Verfügung.Heute existiert allerdings nur noch eine Glocke, die nach dem Brand gekauft wurde. Da während des Brandes die Orgel vernichtet wurde, wurde eine Walcker-Orgel gekauft, die hinter das noch gut erhaltene alte Prospekt eingebaut wurde. Da der Zahn der Zeit auch an der Kirche nagte, mußte sie dringend renoviert werden.