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Das Geschlecht derer von Dieskau

Die Geschichte derer von Dieskau begann um 1200, als ein Sohn des Herrn von Geusa mit der Wasserburg zu Dieskau belehnt wurde. Bis zum heutigen Tage kann das Geschlecht nach unseren Recherchen auf ca. 430 Mitglieder der Familie zurückblicken. Diese stattliche Zahl betrifft aber nicht nur die Ortschaft Dieskau, sondern sämtliche Besitzungen. Urkundlich wurde erwähnt, daß im Jahre 1225 ein gewisser Otto belehnt wurde, der sich den Namen des Ortes gab und fortan
Otto de Disgave miles
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hieß (von Dieskau). Nach der Belehnung der Wasserburg an Otto blieb das Rittergut im Besitz derer von Dieskau, bis das Geschlecht 1744 ausstarb. Im 15. Und 16. Jahrhundert war die Blütezeit derer von Dieskau, nachdem sie in dieser Zeit ihre Besitztümer und Güter im Saalkreis und weit darüber hinaus vermehrten. Fast alle Güter im Saalkreis und im ferneren Umkreis wurden durch die von Dieskau beherrscht und mit Ackerbau, Viehzucht, Fischereien, Jagden, Privilegien, Patronaten und Gerechtsamen betrieben. Genannt seien die Güter: Moritzburg, Giebichenstein, Knauthayn, Schwotsch, Reideburg, Spickendorf, Oppin, Glesin, Alsleben, Mukrena, Stasfürt, Lochau, Gottenz, Besen, Hohenthurin, Trotha, Groß?Zschocher, Osmünde, Kanena, Queis, Benndorf usw. Das Geschlecht derer von Dieskau hatte Besitzungen auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Die Herren von Dieskau waren sehr stolze Adlige und besonderes Ansehen und Bedeutung erlangten sie im Erzstift Magdeburg. Sie hatten wichtige Ämter inne, die sie zu wirtschaftlicher Macht und großem Einfluss verhalfen. Beim Erzbischof von Magdeburg begleiteten sie das Amt des Erbküchenmeister und waren Generationen hindurch Hauptleute der Feste zu Giebichenstein und später der Moritzburg. Mit Beendigung des 30jährigen Krieges änderten sich auch die Machtverhältnisse in Deutschland. Die Blütezeit derer von Dieskau war zu Ende. Die Dieskaus wurden Landedelleute, die ihre Güter bewirtschafteten, solange sie diese noch halten konnten. Sie waren Land- und Kreisräte, Kammerherren oder Offiziere. Diese Berufe waren damals für Adlige standesgemäß. Über einige der Dieskaus gibt es sagenumwobene Geschichten. So zettelte z.B.
Hans von Dieskau
(1454-1514)
eine Fehde mit den Zerbstern an, als er sich vor den Stadttoren mit einer Dame traf und die Dorfbewohner den Ritter Dieskau beleidigten. Während dieser Fehde, die 2 Jahre dauerte, kam es zu Brandschatzungen und es gab sogar Gefangene und Tote. Trotz dieser Geschichte hat es Hans von Dieskau später noch bei dem Erzbischof Albrecht zu Magdeburg zu großen Ehren gebracht. Als Nachfolger seines Vaters, Otto von Dieskau, wurde er erzbischöflicher Rat und Hauptmann auf Giebichenstein und Moritzburg.
Hieronymus von Dieskau
(1501-1567)
war ein Beispiel für Gerechtigkeit und Strenge in der damaligen Zeit. Im Jahre 1554 ließ er 4 Soldaten zu Meschwitz an die Weiden hängen, weil sie einem Bauern 2 Bratwürste und ein Huhn mit Gewalt entrissen. Unter
Hieronymus von Dieskau d.J.
(1565-1625)
ist im letzten Viertel des 16. und im ersten Viertel des 17.Jahrhunderts das Renaissanceschloß in wesentlichen Teilen errichtet worden.
Carl von Dieskau
(1653-1721)
war wohl der Bekannteste aus der Dieskauer Linie. Er verfaßte ein Testament, in dem er festlegte, daß für arme Leute ein Hospital errichtet werden sollte, Pfarrer- und Lehrerwitwen und deren Waisen erhielten eine jährliche Zuwendung, und an arme Studenten sollte ein Stipendium gezahlt werden. Carl von Dieskau war über 40 Jahre glücklich mit Johanna Löser verheiratet. Ihnen zu Ehren wurde in der Kirche zu Dieskau ein Epitaph gestiftet. Nach dem Tod von Carl von Dieskau übernahm sein Sohn
Carl von Dieskau
(1679-1744)
die Herrschaft auf dem Rittergut. Trotz seiner 2 Ehen gab es keine Nachkommen und das Geschlecht Dieskau auf Dieskau starb aus. Vielleicht hätte sich aus der weitverzweigten Verwandtschaft jemand gefunden, das Rittergut zu übernehmen, aber das Testament des Carl von Dieskau hielt davon ab. So wurde 1746 das Stammhaus des adligen Geschlechtes derer von Dieskau an den brandenburgischen Oberamtmann Alburg (1683-1763) verkauft.